Von Zombiesprachen

Eine der bemerkenswertesten Fähigkeiten von Nörglern aller Art ist die Meisterschaft im Reden über Dinge, von denen man nichts weiß. Wenn es um Sprachnörgel geht, dann ist es der Begriff der Sprache, der häufig ungeklärt bleibt. Das könnte man verstehen, schließlich kann man sich über eine Definition von Sprache prächtig streiten, aber die Ignoranz liegt bei manchem selbsternannten Sprachkritiker ja nicht im Detail. Man wundert sich bisweilen, welch eigenartiges Sprachverständnis deren Denken prägt. Es drückt sich z.B. durch solche Formulierungen aus:

Das ist doch weder Deutsch noch Englisch, sondern eben eine Mischung, Denglisch (Frage aus einem Interview der c’t mit u.a. Schlobinsky) Weiterlesen

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Wie man’s macht, ’s ist falsch

Neues Jahr, neue Nörgelei. Aber ich fange lieber mit zwei schönen Scans aus dem letzten Jahr an, die hervorragend illustrieren, dass die Sache mit dem Englischen und dem Deutschen nicht so leicht auszufechten ist. Das erste Bild ist eine ganzseitige Werbeanzeige für das MMORPG Warhammer Online, die sich in den letzten Ausgaben zahlreicher Fachmagazine fand. Die Macher dieser Werbung haben den Spagat zwischen englischem Slogan und von Sprachnörglern geforderter Verständlichkeit für anglophobe Deutsche versucht. Weiterlesen

VDS-Kochstudio, Folge 2

Noch ein VDS-Argument

Noch ein VDS-Argument

Im ersten Teil der Kochsendung des Vereins für die Dramatisierung der Sprachsituation haben wir festgestellt, dass auch Sprachwissenschaftlicher falsch liegen können. Wir haben sogar herausgefunden, dass Sprachwissenschaftler nicht immer viel von wissenschaftlicher Methodik halten. In dieser zweiten Folge wollen wir in diese Richtung weiterforschen. Denn in den Sprachnachrichten 03/2008 findet sich gleich hinter dem zuletzt besprochenen Artikel ein weiterer Text über Anglizismen. Weiterlesen

Sprachnörgel vor dem Aus!?

Vielleicht ist es mir bisher bloß noch nicht richtig aufgefallen, aber beim regelmäßigen Zurkenntnisnehmen diverser unfundierter Diskussionsbeiträge von diversen Meinungsträgern bin ich kürzlich auf zwei bemerkenswerte Sätze gestoßen (Hervorhebung durch mich):

«Wir wollten einfach etwas gegen diese abartigen Anglizismen tun. Englisch ist wichtig und genehm, aber es wird oft benutzt, wo es nicht passt, von Menschen, die es nicht aussprechen können, für andere Menschen, die es nicht verstehen.» Vermutlich sei der Kampf gegen dieses Englisch schon verloren. «Aber man muss ihn führen» Weiterlesen

VDS-Kochstudio

Ein VDS-Argument

Ein VDS-Argument

In einem Punkt stimme ich mit Sprachnörglern wohl überein: Ein akademischer Titel macht noch kein Argument, auch Sprachwissenschaftler können sich irren. Ein sehr anschauliches Beispiel dafür liefert Prof. Dr. Heinz-Günter Schmitz, ehemals Germanist an der Universität Kiel und heute Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des VDS, in den aktuellen Sprachnachrichten. Anschaulich ist es vor allem deshalb, weil es bei Sprachnörglern sehr verbreitet ist, beim VDS sowas wie die Ernährungsgrundlage des Vereins zu sein scheint. Weiterlesen

Wowereit ausgezeichnet

Klaus Wowereit darf sich seit gestern über den schönen Titel „Sprachpanscher des Jahres 2008“ freuen. Ursprünglich als Negativ-Award gedacht, kann man diesen Preis guten Gewissens als Auszeichnung betrachten, wenn man sich die Ignoranz des verleihenden VDS vor Augen führt. In diesem Sinne kann man Herrn Wowereit durchaus gratulieren zu diesem Ritterschlag.

Dem VDS geht es natürlich mal wieder um Anglizismen. Es gibt zwar auch genug andere sprachnörgelrelevanten Themen, aber derer hat sich dieser Sick ja schon angenommen. Außerdem müsste man dafür recherchieren und sich womöglich mehr oder weniger wissenschaftliche Gedanken machen. Lieber nicht, Anglizismen verkaufen sich sowieso besser. Welch Ironie. Weiterlesen

Tronglisch – Sprachverfall in Skandinavien

Sprachnörgler beschwören gerne mal den Weltuntergang, wenn es darum geht, vermeintliche Angriffe auf die deutsche Sprache abzuwehren. Zumindest aber wird der Untergang derselben als gegeben angenommen, sollten sich die leichtfertigen Sprachstolperer mit ihren Anglizismenarmeen in den nächsten Jahren nicht stoppen lassen. So findet sich beispielsweise in den Sprachnachrichten 37 ein alarmierender Leserbrief, in einem kurzen Ausschnitt hier wiedergegeben:

„Sehr geehrtere Damen und Herren, darf ich, bitte, Ihnen durch diesen offenen Brief meine Enttäuschung, mein Entsetzen und meine Hoffnungslosigkeit für die Zukunft der deutschen Sprache äußern? Ich frage mich in der Tat, ob die deutsche Sprache immer noch besteht. Die Antwort ist für mich negativ. Kann diese mit Englisch überfüllte Sprache […] immer noch als Deutsch bezeichnet werden? […]“ (Charles Antoine Djokouéhi, Elfenbeinküste) Weiterlesen