Von akademi(s)chen und orthographi(s)chen Freiheiten

Über den Niedergang deutscher Bildungs- und Wissenschaftsstandards scheinen sich dieselben Leute zu beschweren wie über den Niedergang der deutschen Sprache: nämlich immer die Falschen, also die, die besser ruhig wären. Professoren an theologischen Fakultäten an staatlichen Hochschulen sind zum Beispiel ungeeignet, um über die Einschränkung der akademischen Freiheit zu mäkeln. Freilich hält das nicht alle davon ab, es doch zu tun.  Soviel intellektuelle Unredlichkeit muss sein.

Studenten der Uni Mainz amüsieren sich derzeit über einen Spruch, den ein Bachelorphobist an das Forum der Uni geschmiert hat – in welchem übrigens auch die theologischen Fakultäten untergebracht sind. Ob der ehemalige Herr Professor…? Nein, kaum. Was ist amüsant an dem Spruch? Die Rechtschreibung natürlich, die entlarvt ja jeden:

Verschulichung

Dagegen

Was ist hier passiert? Müsste es nicht Verschulung heißen? Weil die Uni nach der Neustrukturierung so verschult ist? Wohl schon, das hier dürfte eine Analogiebildung zu Verstaatlichung sein. Das vermute ich, weil es sonst eher Verschulischung heißen dürfte, mit -lisch statt -lich, wie in schulisch. Verstaatlichung ist ja ein Wort, dass uns derzeit ständig um die Ohren fliegt, zudem sind Bachelor-Gegner tendentiell eher links oder sogar „kritisch links“, da würde eine solche Verwechslung ins Klischee passen.

Der Chmierfink ist aber nicht alleine, sagt Google. Verschulischung gewinnt jedoch um den Faktor 5, wenngleich beide keine Chance gegen die Verschulung haben. Völlig abseitig ist die Bildung aber wohl nicht. Interessant ist im übrigen auch die Silbentrennung – trennt man nach Morphemen schul.i(s)ch oder aber, wie hier, nach Silben (wobei das auch nicht eindeutig wäre) schu.li(s)ch? Der Streit zwischen diesen beiden Möglichkeiten liefert eine weitere mögliche Erklärung für die seltsame Rechtschreibung: wer schu.lich trennt ist nahe beim Suffix -lich, wie in staat.lich – wer schul.isch trennt, entgeht dieser Verlockung und bleibt beim -isch.

Einen Tipp möchte ich noch abgeben: der Bechmutzer war vermutlich kein Einheimicher – sonst wäre das sch schließlisch escht obligatorisch.

8 Antworten

  1. Komich, nich?

  2. psst… das ist aber nicht Orthographie, sondern Morphologie😉

  3. Im schlimmsten Falle ja, aber das mag ich niemandem unterstellen. Wahrscheinlich hat man einfach bloß das s vergessen.😉

  4. Sonst haben Sie nichts zu tun, oder? Der Kommentar zu der „Verschulichung“ an sich belegt, das eine Neuorganisation und härtere, straffere Anforderungen an Studenten dringend nötig waren.

  5. Welcher Kommentar von den vielen? Und wie kommen Sie darauf, dass ich etwas gegen diese Neuorganisation haben könnte? Oder wollten Sie das gar nicht sagen?

  6. Wieso sollen die Silben nicht eindeutig sein?

  7. Weil das l Onset oder Koda sein kann.

  8. Aber vielleicht ist es doch ein Einheimischer, der sich an Hochdeutsch versucht hat. (Denn die ch/sch-Verwechslung) kommt mir bekannt vor.

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