Schluß (sic!) mit Sale

Sale

Atomkraft und Wale waren gestern

sagt die DSW, mit scharfem s. Dass die armen Deutschen mit dem Wort Sale völlig überfordert sind, liest man ja häufiger, und dass Sprachnörgler sich darüber gerne mokieren, ist auch bekannt. Aber Herr Paulwitz und Kollegen haben sich nun eine sehr avantgardistische Aktion ausgedacht: Sie fordern Leute dazu auf, Geschäftsleuten mitzuteilen, dass sie nicht wüssten, dass Sale sowas wie Schlussverkauf bedeute. Diese Konstruktion ist syntaktisch nicht zu beanstanden, aber aus irgendeinem Grund kommt sie mir doch komisch vor…

Netterweise hat man bei der DSW gleich ein Protestschreiben vorformuliert, das als blendende Realsatire durchgeht. Mein erster Gedanke als ich das Sale-Gejammer gehört habe, war der an die Prozentsymbole, die meistens zusätzlich die Schaufenster zieren und wohl nicht schwierig als Hinweis auf Rabattaktionen zu verstehen seien dürften. Diese Zeichen hat man ins Schreiben mit aufgenommen, direkt ganz oben im Briefkopf, um noch deutlicher darauf hinzuweisen, dass man durchaus weiß, was Sale bedeutet, aber trotzdem gerne nörgeln möchte.

Natürlich nörgelt man nur für die armen Mitbürger, die den Begriff nicht übersetzen können, wie irgendwelche Umfragen ja eindeutig zeigen. Herr Paulwitz:

„Ziel der Aktion ist es, nicht nur die Innenstädte von der SALE-Seuche zu befreien, sondern auch ein Umdenken in der Geschäftswelt zu bewirken. Es muß wieder selbstverständlich werden, die Kunden in ihrer Sprache anzusprechen. Ausdrücke wie ‚Kaffee to go‘ ziehen Spott auf sich. Wann verstehen die Werbestrategen das endlich?“

Vielleicht, wenn sich der Kaffee nicht mehr gut verkauft? Oder Frau Steinbach:

CDU-Bundesvorstandsmitglied Erika Steinbach von der Initiative „Sprachlicher Verbraucherschutz“ schreibt in der DEUTSCHEN SPRACHWELT: „Wer erlebt hat, wie ein betagtes Frauchen ratlos vor einem Kaufhaus steht, auf dessen Schaufenstern in großen Buchstaben ‚SALE‘ zu lesen ist, und das leise irritierte Murmeln ‚Ist Sale nicht ein Fluß?‘ mitbekommt, dem wird schlagartig klar: Hier stimmt etwas nicht mehr im Lande.“

Stimmt, in den Grenzen von 1937 wird auffällig viel Nicht-Deutsch geredet. Was Frau Steinbach da beobachtet haben will, ist ein alltägliches Szenario – wer sieht beim Einkaufen nicht diese ganzen verwirrten Menschen, die darüber grübeln, was irgendein Wort in irgendeinem Fenster bedeuten könnte?Wer steht nicht ratlos vor ihm unbekannten Wörtern und murmelt leise vor sich hin, an sich und der Welt verzweifelnd?

Und ich denke schon wieder an das Prozentzeichen – ob es wohl viele Passanten in Einkaufsstraßen gibt, die die Bedeutung des Prozentzeichens erklären könnten? Was gibt es eigentlich genau an? Wieso sieht es so aus wie es aussieht? Laut dieser hier erwähnten Umfrage (Seite 38 unten) konnten ein Drittel der Befragten nicht erklären, was „40 Prozent“ bedeuten soll. Und da war das Zeichen sogar ausgeschrieben!

Trotzdem weiß jeder, was gemeint ist, wenn Händler die Schaufensterscheiben mit diesen Kringeln und dem Schrägstrich dekorieren. Was spricht dagegen, dass es mit Sale genauso funktionieren könnte, mit der Zeit vermutlich immer besser? Weil es fremdsprachlich ist!? GOtt bewahre! Die DEutsche Sprache!

Nein, weil Herr Paulwitz dict.leo.org angeschmissen hat und so herausfand, dass sale auf Italienisch Salz und auf Französisch schmuddelig heißt. Kann ich auch: sale in zucca!

Eine Antwort

  1. Oh. My. Goodness.

    Entweder muß ich meinen beitragsabschließenden thematischen Disclaimer [ http://brandmeetsworld.blogspot.com/2008/08/voll-krass-gedanken-zur-regel.html ] fürderhin unter jedes Schriftstück und jeden Eintrag nageln, um nicht mit Herrn Nitwitz und seinen Sprachschergen assoziiert zu werden, oder ich muß meine orthographischen Präferenzen ändern.

    *SEUFZ*

    °_^J.

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