Wie man’s macht, ’s ist falsch

Neues Jahr, neue Nörgelei. Aber ich fange lieber mit zwei schönen Scans aus dem letzten Jahr an, die hervorragend illustrieren, dass die Sache mit dem Englischen und dem Deutschen nicht so leicht auszufechten ist. Das erste Bild ist eine ganzseitige Werbeanzeige für das MMORPG Warhammer Online, die sich in den letzten Ausgaben zahlreicher Fachmagazine fand. Die Macher dieser Werbung haben den Spagat zwischen englischem Slogan und von Sprachnörglern geforderter Verständlichkeit für anglophobe Deutsche versucht.

Irgendwas ist überall, aber was?

Irgendwas ist überall, aber was?

Wie auf dem Bild links zu erkennen ist – für die Großversion einfach draufklicken – hat man den naheliegenden englischen Werbespruch WAR is everywhere beibehalten. Naheliegend deshalb, weil das Spiel Warhammer Age of Reckoning heißt. Eine wenig subtile, aber hübsche Zweideutigkeit. Doch, oh schreck, die versteht natürlich kaum ein Deutscher, und da man vermutlich Angst vor Wolf Schneider hatte, hat man gleich noch die deutsche Übersetzung mitgeliefert.

Wo!? Man beachte den Stern hinter dem Slogan – der verweist auf eine winzige Notiz unten rechts auf der Seite, und da klärt sich für den einsprachigen Deutschen alles auf: WAR ist überall!

Die Angst vor Schneider und Konsorten muss wirklich groß gewesen sein. Anders kann ich mir diesen Schnellschuss nicht erklären. In der Übersetzung fehlt die Zweideutigkeit, der Spruch macht keinen großen Sinn mehr. Krieg ist überall hätte auch nicht funktioniert (wird aber dennoch auf der Page zum Spiel verwendet). Der VDS würde vermutlich vorschlagen: einfach nicht übersetzen, sondern einen passenden deutschen Satz erfinden. Ich frage mich: warum nicht englisch lassen? Diejenigen, die die drei fraglichen Vokabeln nicht kennen, dürften ohnehin wenig mit MORPGS zu schaffen haben.

Wirtschaftsporno

Wirtschaftsporno

Hier glückte die Übertragung in die Landessprache also nicht wirklich. Ins andere Extrem geht das Magazin, dessen Cover auf dem Bild rechts zu sehen ist. Man verzichtete auf einen deutschen Titel und wählte einen englischen: AssCompact. Daran ist, nur um das klarzustellen, nichts verkehrt, wer sich für das Thema interessiert, wird wissen, was es bedeutet, aber unfreiweillig komisch ist es schon. Wenn der junge Mann auf dem Titelbild nicht so zugeknöpft wäre, könnte man das Heft dem namen nach glatt in die Kiosk-Pornoecke sortieren. Ok, der Ehering wäre vielleicht auch störend.

Zeitgenössische Pejorativkunst

Zeitgenössische Pejorativkunst

Vielleicht ist der Titel aber auch ein telling name und es handelt sich um Realsatire. Damit schlägt das Magazin dann in die gleiche Kerbe wie diese, auch aus linguistischer Sicht sehr gelungene, Karikatur aus der Mainzer Allgemeinen Zeitung (habe leider das Datum nicht mehr zur Hand, my bad).

2 Antworten

  1. Die Sache mit dem Stern ist übrigens in Frankreich sehr beliebt (bzw. möglicherweise sogar vorgeschrieben?). Das sieht man dort wirklich auf zahlreichen Werbeplakaten. Die entsprechenden Übersetzungen habe ich auch nicht immer als passend empfunden.

  2. […] bin ich nicht der Einzige, dem auffällt, dass der denglische Magazintitel vielleicht etwas unglücklich […]

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