Noki@

werbung12Werbung! Werbung ist schlimm. Werbung ist eines der Lieblingsziele der Anglizismenjäger. Die Horrorgeschichten über missverstandene englische Werbesprüche findet man immer noch alle paar Wochen in irgendeiner Zeitung und noch öfter irgendwo im Internet. Bisweilen fühle ich wider besseres Wissen Sympathie dafür, nämlich, wenn ich die Werbung als aufgesetzt und anbiedernd empfinde.

Das ist gerne bei Werbung der Fall, die sich an jüngere Semester richtet und versucht, sich „der Jugendsprache“ zu bedienen. Das zeitigt bisweilen Ergebnisse, die aus einem Jugendsprachewörterbuch stammen könnten und demzufolge mit Jugendsprache nicht wirklich viel zu tun haben. Eine andere Variante findet sich aktuell als ganzseitige Zeitschriftenwerbung – zum Beispiel auf der Rückseite der aktuellen Gamepro und der aktuellen 11Freunde-Ausgabe.

Nokia bewirbt neue Modelle, so etwas wie Multifunktionshandys. Bei den 11 Freunden ist es das N96, bei der Gamepro das N85. In letzterem Falle geht es natürlich um Games. Was ich dabei als aufgesetzt empfinde sind nicht die vielen Anglizismen, die angesichts des Technik-Kontextes Sinn machen dürften (Gaming, cool, Champion), sondern das sehr direkte Ansprechen der Gamer-Instinkte.

Man will als Zocker natürlich „Highscores knacken“, „Champion werden“ und den „coolen Zeemote“ verwenden, ein Klon der mächtig erfolgreichen Wiimote. Was den Namen angeht auch noch ein verdammt schlechter. Dann folgt eine Aufzählung weiterer Features wie GPS und Nokia Maps. Zum Schluss hat man dann noch den Hinweis „So hast du deine Lieblingsspiele immer dabei“ drangeklatscht, der mit den zuvor aufgezählten Dingen nichts zu tun hat. „Bezug?“ würde ein Lehrer an die Seite schreiben. Hier gibt es aber keinen Lehrer, sondern nur eine jubelnde Menge

werbung2Ebenso bei der anderen Werbung. Und auch hier – hier geht es offensichtlich um Community und Web 2.0 – lesen wir eine Aufzählung der coolsten 2.0-Features: Bloggen, Regisseur sein, fotografieren. Dazu viel Multimedia. Was mich auf diese Werbungen erst aufmerksam gemacht hat, sind aber die Sprechblasen unten: da jubelt die Menge lol, brb, : -) und sogar @. Man könnte sich wundern, warum die Menge das macht, aber das wäre verschwendeter Hirnschmalz.

Ich habe in über 10 Jahren Internet noch nie jemanden gesehen, der @ ohne irgendeinen Zusatz verwendet hätte. Aber das @ ist vielleicht das bekannteste Symbol für das Internet. Beide Werbungen arbeiten mit Schlagworten und Symbolen. Hierbei ist auch die Zeichensetzung auffällig: der Punkt schließt alle Sätze ab, kein reißerisches Ausrufezeichen. Und der Punkt steht auch in der Überschrift, hinter dem Copyrightvermerk und im Display (randy .public). Auch der Punkt ist ein Symbol für das Netz, man denke an dot-com.

Das hier ist ja kein Sprachnörglerblog: Werbemenschen sind weder Dichter noch Deutschlehrer, sondern eben Werbemenschen. Werbung soll verkaufsfördernd sein, nicht sprachfähigkeitsfördernd. Und wenn wir Nokia zugunsten annehmen, dass sie wissen was sie tun und diese Werbung wirklich funktioniert, dann können wir daraus etwas lernen: es gibt so etwas wie Internetsprache.

Man kann High-Tech verkaufen, indem man einfach entsprechende Begriffe und Zeichen in die Runde schmeißt, teilweise sogar falsch verwendet. Die Abkürzungen, die Interpunktion, die Wortwahl – das alles ist schon so fix, so allgemein verständlich, dass man die Zielgruppe damit überfallen kann.

Eine Antwort

  1. Der Verfasser des Textes – das war doch der Win@2 mit seiner verkaufsfördernden Silberbüchse …

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