Sprachnörgel vor dem Aus!?

Vielleicht ist es mir bisher bloß noch nicht richtig aufgefallen, aber beim regelmäßigen Zurkenntnisnehmen diverser unfundierter Diskussionsbeiträge von diversen Meinungsträgern bin ich kürzlich auf zwei bemerkenswerte Sätze gestoßen (Hervorhebung durch mich):

«Wir wollten einfach etwas gegen diese abartigen Anglizismen tun. Englisch ist wichtig und genehm, aber es wird oft benutzt, wo es nicht passt, von Menschen, die es nicht aussprechen können, für andere Menschen, die es nicht verstehen.» Vermutlich sei der Kampf gegen dieses Englisch schon verloren. «Aber man muss ihn führen»

Der Rest des Absatzes ist uninteressant, weil unbelegt, kontextfrei und argumentlos. (Man müsse ihn also führen? Aha, offensichtlich!) Diese Kampfansage stammt von der Schweizer Post, die den Kulturpreis Deutsche Sprache erhielt. Und zwar dafür, dass sie statt Keyboard Tastatur verwenden und statt BackUp Sicherheitskopie. Schrecklich, dass dieser Kampf schon verloren ist und tapfer, dass sie trotzdem weiterkämpfen. Don Quijote wäre stolz! Apropos:

Shared Space – schon wieder ein Schlag in die Magengrube für jene, die gegen die unsinnige Überfremdung vor allem durch überflüssige Anglizismen angehen, was heutzutage vergleichbar ist mit dem vergeblichen ritterlichen Getue eines Don Quichottes gegen Böses seiner Welt anzukämpfen.

Auch dieser wirre Text sieht den Untergang der Sprachpflege dämmern.

Don Quijote kämpfte übrigens nicht gegen das Böse, sondern gegen Windmühlen. Es sei denn natürlich, man identifiziert den technischen Fortschritt in Form der Windmühlen mit dem Bösen. So wie Don Quijote. Eine treffendere Metapher für den Sprachnörgel könnte auch ich nicht finden.

5 Antworten

  1. Neben Hyperventilation, Adjektivitis und der Leistung, daß kein Wort wirklich sinnvoll zu irgendeinem anderen paßt, kommt mir dieser “Shared Nonsense”-Satz auch nicht sonderlich grammatisch vor. Ich kriege die zweite Satzhälfte absolut nicht plausibel zerlegt. Allerdings habe ich auch letzte Nacht nicht geschlafen, daher könnte das an mir liegen. Falk?

    Gruß,
    Jay

  2. @ gyokusai
    der satz ist schon grammatisch, aber dennoch etwas unglücklich umständlich formuliert. klingt irgendwie ungewohnt.

  3. Mich stört vor allem die Dopplung Getue und anzukämpfen.

    (1) Das Getue gegen etwas anzukämpfen.
    (2) Das Getue gegen etwas.

    Variante (2) klingt in meinen Ohren besser.

    Oder stört euch etwas anderes?

  4. Ja, ich glaube da liegt der Haken begraben😉

    Ich würde (1) ein Sternchen verpassen, da ich „gegen etwas anzukämpfen“ nicht für ein taugliches Satzobjekt für „Getue“ halte.

    „Böses seiner Welt“ erscheint mir überdies auch grammatisch überdenkenswert.

    ^_^J.

  5. „Böses seiner Welt“ ist mE weniger ein grammatisches Problem als vielmehr ungenaue Wortwahl. Dem zitierten Schreiber geht es ja nicht um das Böse der Welt (eine grammatische Formulierung, auch wenn man sich über ihren Sinn wohl streiten kann), sondern um das Böse in der Welt.

    Ob (1) ungrammatisch ist? Google findet keine weiteren Belege für diese spezielle Formulierung, allerdings ist es auch schwierig, danach zu suchen. Auch analoge Infinitivkonstruktionen sind eher spärlich, aber vorhanden:

    (3) Warum dann immer dieses Getue, es zu verbergen?
    (4) Dieses ganze Getue, ein Vermächtnis zu hinterlassen, verstehe ich nicht.

    Es ist zumindest recht avantgardistisch.

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