Kurzer Lesetipp: the gr8 db8

Aktuelle Spotlight-Ausgabe

Aktuelle Spotlight-Ausgabe

Im aktuellen Spektrum der Wissenschaft (auch das ein Lesetipp!) bin ich auf Werbung für die aktuelle Ausgabe von Spotlight gestoßen. Das ist das Heft, das Sprechern des Deutschen das Englische näher bringt, wahrscheinlich der Todfeind des Sprachnörglers – zumal die Werbung mit zwei Anglizismen aufwartet. Spannend hört sich das Titelthema an: „sms are txt msgs killing english?“ Oha, doch nörgelkompatibel?

Nein, keine Bange: die Seite zum Heft hört sich vielversprechend an:

The decline of the English language began the day Shakespeare died. Others say that what really killed it was the spell-check function in Microsoft Word. The growth of e-mail didn’t help, either. And then came texting. But the technological negatives are really positives says linguist David Crystal.

Crystal ist Autor des kürzlich erschienen Buches „txtng: the Gr8 Db8„, dessen Titel ein telling name par excellence ist. („The Great Debate“, falls jemand mit der Transkription Schwierigkeiten hat.) Darin geht es um die moderne Chat- und SMS-Sprache, also um Abkürzungen und Zahlenspielereien aller Art. Was übrigens auffallen sollte: Amazon nennt das Buch Txtng: The Gr8 Db8. Es heißt aber korrekt txtng: the gr8 db8. Auch dieser Fehler ist „telling“, denn Amazon schrammt damit wohl knapp an Crystals Intention vorbei. Ich muss und will mich selbst noch in Crystals Positionen einlesen, aber hinweisen wollte ich darauf doch schon.

Neben dem Spotlight-Artikel gibt es einen Review der Times, in dessen Anhang sich „Sprachverfallserscheinungen“ in allen möglichen Sprachen finden. Wer wissen will, für was Qlk1 oder 01ia2 A1 stehen, der sollte dort nachschauen. Auch die Newsweek hat einen kurzen Artikel dazu online. Aus diesem leihe ich mir diese treffenden Worte:

One look at the winners of text-poetry contests in Britain proves that the force behind texting is a penchant for innovation, not linguistic laziness. Electronic communication, Crystal says, „has introduced that kind of creative spirit into spelling once again.“ That heathen Shakespeare would have been onboard.

Und schließlich sei noch auf David Crystals eigenes Blog verwiesen, in welchem er sich ebenfalls mit dem Sprachnörgeltum beschäftigt. Noch ein bloggender Linguist!

6 Antworten

  1. Bei der Überschrift dachte ich ja noch:
    Gracht debacht? Was soll denn das sein?
    Aber ich bin heute ein Wirrköpfchen.

  2. Auch nett. Klingt schweizerisch!🙂

  3. Es hat aber auch etwas von einem behandlungsbedürftigen Rachenleiden.

  4. vielen dank für die freundliche empfehlung dieses autors … und für die verlinkung zu spotlight🙂 dort in der redaktion sitzen ein haufen david crystal fans.
    auch vielen dank für dieses blog mit dem schönen titel.

  5. „The decaying of Language“ wie Shakespeare wohl verlauten lassen würde. In der Tat ist es so, dass sich Sprache stetig verändert, und durch die heutige digitale Technologie eben auch, oder vor allem die Schriftsprache. Das muss nicht umbedingt schlecht sein, so wird schließlich mit weniger Zeichen mehr, oder das selbe ausgedrückt. Es erfordert allerding die Fähigkeit der richtigen Interpretation des angezeigten Codes. Dinge wie *rofl oder N8, cu, 2U ect. wollen erst erlernt werden. aber schnell ist die Semantik der Symbole im textuellen Kontext erschlossen und es lässt sich heiter mit Kürzeln um sich werfen. Zwar leidet der Detailreichtum der Sprache, aber offnet auch neues kreatives Potenzial für Wortspielereien, und ebnet den Weg für eine regelrechte neue Kunstform. Fortschritt einmal anders, bitte! Danke!… Gerne! Grüße…

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