Vermischtes

Auf das Thema Sprache trifft man naturgemäß überall, aber manchmal erstaunt es einen doch. Derzeit bin ich vor allem damit beschäftigt, meinen neuen PC erfolglos dazu zu bewegen mehr zu laufen als nicht zu laufen. Das scheitert nicht zuletzt an dem Umstand, dass Hardware-Hersteller es sprachlich nicht so genau nehmen. Die Kabel meines Gehäuses sind anders beschriftet als das Mainboard, an das man sie anschließen muss.

Hier PW SW, da M/B SW. Die beiden ansonsten identischen USB-Kabel sind sogar spiegelverkehrt beschriftet, so dass man sie entsprechend um 180° gedreht anpfrimeln muss. Ganz zu schweigen von den völlig unverständlichen Produktbezeichnungen. Was ich aber wirklich bemerkenswert finde ist etwas ganz anderes.

Binär

Nicht jeder kann binär, Informatiker schon:

Ich bin Informatiker,
mein Leben ist so schön binär,
ich fänd’s auch phänomenal,
wär es hexadezimal.

Deswegen verwirren einen manchmal die technischen Angaben der Hersteller. Meine neue Festplatte hat 160GB, was in der Windows-Praxis ~150GB entspricht. Weil zehn hoch neun halt nicht dasselbe ist wie zwei hoch dreißig. Und weil 160 aus verständlichen Gründen besser klingt als 150. Um diese Verwirrung zu entwirren, gibt es, und das wusste ich bisher nicht, einen lustigen Vorschlag: zehn hoch neun bleibe ein Gigabyte, zwei hoch dreißig sei hingegen ein Gibibyte. Mebibyte statt Megabyte und Kibibyte statt Kilobyte.

Klingt einleuchtend – aber in der Praxis sieht es schlecht aus. Auf deutschsprachigen Seiten gibt es nur etwas mehr als 10000 Treffer für Mebibyte, rechnet man die Erklärungen dieser Begriffe so gut es geht raus (mit den Suchzusätzen -wikipedia und -lexikon) bleiben gar nur noch rund 7000 übrig. Mindestens ein Drittel der Einträge dient also lediglich dazu, die anderen zwei Drittel zu erklären – miese Quote.

Auf Seiten wie pcgames.de oder gamestar.de werden die Angaben auch teilweise unterschiedlich verwendet. Der eine macht es so, der andere so. Und meistens versteht irgendeiner die „neuen“ (immerhin 12 Jahre alten) Ausdrücke nicht. Zur Entwirrung hat das Ganze also eher nicht beigetragen. Stattdessen erinnert mich das Ganze an eine gewisse Reform einer gewissen Rechtschreibung und das nachfolgende Chaos.

Speak Deutsch

Seit gestern gibt es ein neues Album der Prinzen, das einen Song mit dem verdächtigen Titel „Be cool speak Deutsch“ enthält – „ein ein augenzwinkernder und dennoch auf den Punkt kommender Kommentar zum „Denglisch“-Trend in unserer Sprache“. Leider konnte ich noch keinen ganzen Text finden, aber unter musicload.de kann zumindest reinhören. Klingt VDS-kompatibler Anglizismen-Aufzählerei, aber vielleicht täuscht der kurze Ausschnitt.

Verfallspodcast

Und noch was zum Hören: Ein Podcast des Internet-Radios Corax, der sich mit dem Thema des Sprachverfalls beschäftigt. Die Episode ist zwar nicht mehr ganz taufrisch, wurde aber kürzlich ausgezeichnet. Das erste Drittel ließ mich schon zittern, ging es doch ganz arg in die Richtung der üblichen Nörgel-Plattitüden, danach folgt aber die sprachwandelnde Gegenseite und schließlich schließt man mit einem dadaistischen Outro. Sehr in die Tiefe geht der Beitrag zwar nicht, aber die Debatte ist gut auf den Punkt gebracht und die Aufbereitung im Gegensatz zu manchen Debattenbeiträgen sehr entspannt.

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