Grußwort J.W.v.Goethes zum Tag der deutschen Sprache

Goethe

Goethe

Heute ist Tag der deutschen Sprache! Ein Grund zum Feiern? Nein, denn da die deutsche Sprache im Sterben liegt und so über kurz oder lang niemand mehr Goethes Werke von Weltrang wird lesen können, möchte der VDS lieber einen Nach- oder gleich Gedenktag haben und machen, was er eigentlich immer macht: Nörgeln.

Goethe und ich sagen: Nein! Das ist die deutsche Sprache nicht wert. Dieses Jahr jährt sich nämlich zum 200. Mal die Erstveröffentlichung des ersten Teiles des Faust. Zweihundert Jahre hat dieses großartige Opus schon auf dem Buckel und es denkt nicht daran, demnächst den Bach runterzugehen, nur weil irgendwelche anglophoben alten Männer es beschreien.

Johann Wolfgang von Goethe arbeitet daher zur Zeit an einer behutsamen Neubearbeitung seines Meisterwerkes. Dankenswerter Weise hat er mir eine erste fertige Szene zur Veröffentlichung freigegeben.

VDS
So glaubst du an die deutsche Sprache nicht?

Faust
Misshör‘ mich nicht, Sprachpflegerich!
Wer darf sie nennen?
Und wer bekennen:
Ich glaub‘ sie?
Wer empfinden
Und sich unterwinden
Zu sagen: ich glaub‘ sie nicht?
Die Allumfassend,
Die Allerhaltend,
Fasst und erhält sie nicht
sich selbst?
Wölbt sich Pragmatik nicht dadroben?
Liegt die Grammatik nicht hierunten fest?
Und steigen freundlich blickend
Ewige Sätze nicht herauf?
Schau ich nicht Aug‘ in Auge dir,
Und drängt nicht alles
Nach Lippe und Zung‘,
Und lebt in ewigem Geheimnis
von Wandel und Veränderung?
Erfüll‘ davon dein Lexikon, so groß es ist,
Und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist,
Nenn‘ es dann wie du willst,
Nenn’s deutsch! D3ut5ch! Krass!!! Deutsch!
Ich habe keinen Namen
Dafür! Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut.

VDS
Das ist alles recht schön und gut;
Ungefähr sagt das der Bastian auch,
Nur mit ein bisschen andern Worten.

Faust
Es sagen’s aller Orten
Alle Herzen unter dem himmlischen Tage,
Jedes in seiner Sprache;
Warum nicht ich in der meinen?

VDS
Wenn man’s so hört, möcht’s leidlich scheinen,
Steht aber doch immer schief, echt;
Denn dein Deutsch ist schlecht.

Faust
Liebs Nörgelkind!

(Goethe, persönliche Kommunikation)

5 Antworten

  1. Danke für diese geniale Parodie!🙂

  2. Hihi – mir fiel beim VDS eigentlich immer eher der Famulus Wagner ein.

  3. Wie ich lese, fehlen dem Autor Informationen über den »Tag der deutschen Sprache«. Ich führe deshalb unten die Ziele auf, aus denen deutlich hervorgeht, dass dieser Tag keine bloßer Anti-Anglizismentag ist, sondern ein Tag, an dem einmal im Jahr über die deutsche Sprache selbst gesprochen und diskutiert werden soll. Dazu gehört das Lob der deutschen Sprache ebenso wie der Tadel am Sprachgebrauch, aber auch Beiträge wie Ihrer.

    Der »Tag der deutschen Sprache« ist zwar im Verein Deutsche Sprache entstanden, hat aber die Vereinsgrenzen seit langem überschritten und wird inzwischen von den Medien mitgetragen. Niemand bestreitet mehr, dass dieser Tag sinnvoll ist. Man darf an diesem Tag auch nörgeln. Am »Tag der deutschen Sprache« selbst zu nörgeln, offenbart Unverstand.

    Der »Tag der deutschen Sprache«

    – soll ein Sprachbewusstsein schaffen und festigen, das den unkritischen Gebrauch von Fremdwörtern eindämmt oder verhindert;

    – soll bei allen Bürgern unseres Landes den Sinn für die Schönheit und Ausdruckskraft der deutschen Sprache wecken;

    – soll der kulturellen Selbstvergessenheit entgegenwirken;

    – soll die Wichtigkeit guter muttersprachlicher Kenntnisse für die Herausforderungen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit hervorheben;

    – soll den Willen verstärken, gutes und verständliches Deutsch in Wort und Schrift zu gebrauchen;

    – soll bewirken, dass wir unsere eigene Sprache schätzen; nur dann wird sie im Ausland ernst genommen;

    – soll an die Gleichwertigkeit aller Sprachen erinnern;

    – soll ein partnerschaftliches Band zwischen den Freunden der deutschen Sprache im In- und Ausland knüpfen.

    – soll zum Nachdenken sowie zum persönlichen und öffentlichen Meinungsaustausch über die deutsche Sprache anregen.

    Der „Tag der deutschen Sprache“ findet jährlich am zweiten Septembersamstag statt. Alle sprachlich Interessierten sind eingeladen, sich an diesem Tag zu beteiligen.

  4. What makes you believe we might be anglophobes? Most board members are multilingual, several have lived and worked abroad. How about gathering facts before shooting your mouth off?

  5. Vielen Dank für Ihre Aufklärungsversuche, aber sie sind gar nicht nötig. Dass viele von Ihnen nicht anglophob sind glaube ich Ihnen aufs Wort. Der Punkt ist aber, dass es nicht danach aussieht.
    Wie an anderer Stelle festgestellt sind sämtliche Sprachpanscher-Preise wegen irgendwelcher Anglizismen verliehen worden. Auch wenn man sich weitere Aktionen und Pressemitteilungen Ihres Vereins anschaut geht es dabei meistens um „Denglisch“. Der Tag der deutschen Sprache ist eine der sehr wenigen Ausnahmen, indem er etwas weiter angelegt ist – dementsprechend hat sich Goethe auch nicht auf Anglizismen fixiert, wie Sie oben nachlesen können.

    Sie sollten einfach Ihre Aktionen und Worte Ihren vorgeblichen Intentionen anpassen.

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