Wowereit ausgezeichnet

Klaus Wowereit darf sich seit gestern über den schönen Titel „Sprachpanscher des Jahres 2008“ freuen. Ursprünglich als Negativ-Award gedacht, kann man diesen Preis guten Gewissens als Auszeichnung betrachten, wenn man sich die Ignoranz des verleihenden VDS vor Augen führt. In diesem Sinne kann man Herrn Wowereit durchaus gratulieren zu diesem Ritterschlag.

Dem VDS geht es natürlich mal wieder um Anglizismen. Es gibt zwar auch genug andere sprachnörgelrelevanten Themen, aber derer hat sich dieser Sick ja schon angenommen. Außerdem müsste man dafür recherchieren und sich womöglich mehr oder weniger wissenschaftliche Gedanken machen. Lieber nicht, Anglizismen verkaufen sich sowieso besser. Welch Ironie. Weiterlesen

Advertisements

Hundssprache

Ein guter DEUTSCHER Hund

Ein guter DEUTSCHER Hund

Vor kurzem noch hatte Anatol Stefanowitsch darauf hingewiesen, dass Glossen aller Art ihm zuverlässig Material für Blogbeiträge liefern. Nun stoße ich prompt auf eine solche, einen Kommentar in der Frankfurter Rundschau, und Herrn Stefanowitschs Bemerkung erweist sich umgehend als richtig. Der kurze Text kaut so viele falsche Thesen und typische Vorurteile wieder, dass es einem schwindelt. Einzeln auseinandernehmen muss ich den Kommentar allerdings nicht mehr, denn das Bremer Sprachblog hat ihn augenscheinlich auch nicht übersehen.

Das lässt mir die Zeit, auf etwas anderes aufmerksam zu machen: Weiterlesen

Sprachfrust in Austria

Zum Jubiläum der Rechtschreibreform war dieselbe ja mal wieder Thema in allerlei Medien. Selten kam dabei etwas übermäßig Spannendes heraus, vielleicht ist auch schon alles gesagt, vielleicht schon doppelt und dreifach. Die Kölnische Rundschau führte ein Interview mit Dr. Matthias Wermke von der Duden-Redaktion – auch dabei ging es nicht um viel Neues, aber im letzten Absatz doch um ein Thema, dass mir eher fremd ist:

„In Österreich grassiert derzeit die Angst vor einer ‚Ver-Tschüssung‘ der Sprache. Was passiert da? Das heimische ‚Servus‘ wird immer häufiger durch ‚Tschüss‘ ersetzt, anstelle von ‚Karfiol‘ wird ‚Blumenkohl‘ angeboten, das Wort ‚Tomate‘ ersetzt öfter das traditionelle ‚Paradeiserl‘. Hier ist der Aggressor nicht das Amerikanische, sondern unser gutes Deutsch. Und wie gehen wir damit um?“ Weiterlesen

Peking oder Beijing?

Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) drängt sich anlässlich der Olympischen Spiele in China mit einem ulkigen Wettbewerb in die Medien. Man zählt überflüssige Anglizismen im Sprachgebrauch der diversen deutschen Fernsehkommentatoren. Ablaufen soll es so:

„‚Zwei Punkte gibt es für jedes absichtliche Wichtigtun mit Beijing für Peking oder olympic spirit für Sportsgeist, einen für ganz normale Schlamperei,’erklärte VDS-Vorsitzender Krämer gegenüber dpa. Normale Schlamperei sei etwa das gedankenlose Nachplappern von Anglizismen wie finish oder coach. Nicht beanstandet werden Wörter wie Sprinter, fair oder Clinch, die in der deutschen Sprache Heimatrecht genießen.“ Weiterlesen

Tronglisch – Sprachverfall in Skandinavien

Sprachnörgler beschwören gerne mal den Weltuntergang, wenn es darum geht, vermeintliche Angriffe auf die deutsche Sprache abzuwehren. Zumindest aber wird der Untergang derselben als gegeben angenommen, sollten sich die leichtfertigen Sprachstolperer mit ihren Anglizismenarmeen in den nächsten Jahren nicht stoppen lassen. So findet sich beispielsweise in den Sprachnachrichten 37 ein alarmierender Leserbrief, in einem kurzen Ausschnitt hier wiedergegeben:

„Sehr geehrtere Damen und Herren, darf ich, bitte, Ihnen durch diesen offenen Brief meine Enttäuschung, mein Entsetzen und meine Hoffnungslosigkeit für die Zukunft der deutschen Sprache äußern? Ich frage mich in der Tat, ob die deutsche Sprache immer noch besteht. Die Antwort ist für mich negativ. Kann diese mit Englisch überfüllte Sprache […] immer noch als Deutsch bezeichnet werden? […]“ (Charles Antoine Djokouéhi, Elfenbeinküste) Weiterlesen