Unterschichtennörgel

Im Wiesbadener Tagblatt fand sich kürzlich ein Beitrag eines gewissen Günter Schaefer, der einige faszinierende Thesen zu bieten hatte. Natürlich ohne jedes Argument, wäre ja noch schöner! Was man nicht argumentativ unterfüttern kann, kann man aber freilich zumindest mit elaborierter Rhetorik und kreativer Thesenfindung unterstützen. Am innovativsten war meines Erachtens Herrn Schaefers Urteil über die Rechtschreibreform.

In Kulturnationen wie Frankreich ist es selbstverständlich, dass man gegen die Zerstörung der Sprache durch das „Franglais“ mit gesetzlichen Mitteln vorgeht. In Deutschland ist leider Abhilfe nicht in Sicht. Im Gegenteil: Durch eine sogenannte Rechtschreibreform wird die Deutsche Sprache auf die Phonetik der Unterschicht reduziert.

Der größte Fan der Reform bin ich ja nun auch nicht, aber das ist mal eine gewagte Behauptung. Was ist die Phonetik der Unterschicht? Geht es um’s Dialektsprechen? Um Soziolekte, Ethnolekte? Und was hat die Reform damit zu tun? Steht isch schon im Duden?

Auch sonst hat Herr Schaefer neben den üblichen Nörgelthesen so einige lustige Ideen.

Einst war Deutsch in aller Welt die Sprache der sogenannten gebildeten Stände.

Wenn sich die Welt nur von der Maas bis zur Memel erstreckt mag das stimmen. Ein bisschen Deutschtümelei passt aber auch gut rein, auch wenn man den Sprachnörgelvereinen, die ohnehin oft (wie ich finde, zumeist zu Unrecht) im Verdacht des Teutonismus stehen, damit einen Bärendienst erweist.

Als Gast im Ausland sollten wir uns bemühen, in reinem Deutsch oder in der Landessprache zu sprechen und in jedem Fall Pidgin-English vermeiden.

Der Begriff Pidgin scheint ja ein Trendwort zu werden. Abgesehen davon, dass er hier überhaupt nicht passt, handelt es sich um einen gut getarnten Anglizismus und sollte daher von Sprachnörglern dringend vermieden werden. Aber vielleicht kann man Pidgin noch durchgelesen lassen, da es sich nicht um einen dieser

Amerikanismen untersten Niveaus

handelt.

2 Antworten

  1. >>Als Gast im Ausland sollten wir uns bemühen, in reinem Deutsch oder in der Landessprache zu sprechen und in jedem Fall Pidgin-English vermeiden.<<
    Welch absurd weltfremde Sicht! Wenn ich kein Englisch kann, sollte ich es also lieber mit mit Deutsch versuchen anstatt zu radebrechen? Da vergisst einer in seiner selbstverliebten Tänzelei, wofür Sprache im Kern da ist: zur Verständigung. Und da heiligt der Zweck die Mittel, sag ich.

  2. Gerade vom Campingurlaub zurückgekehrt kann ich das nur bestätigen. In den skandinavischen Ländern hat man zwar das Glück, häufig auf Deutsch-Sprecher zu treffen, aber es gab doch einige, die sich sehr bedankt hätten, wenn ich sie auf Deutsch zugeschwafelt hätte.
    Geschweige denn in den Landessprachen – schlecht ausgesprochenes Schwedisch versteht in Schweden z.B. kein Mensch. Schlechtes Englisch ist da wesentlich hilfreicher.

    Aber was will man an Kommunikationskompetenz von einem erwarten, der Pidgins mit schlechtem Englisch (Deutsch/… ) gleichsetzt.

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