Zehn Jahre Rechtschreibreform

Die deutsche Sprachwelt hat heute anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Rechtschreibreform derselben eine Pressemitteilung gewidmet, mit folgendem Wortlaut:

Zehn Jahre Rechtschreibreform: Reparatur muß weitergehen

Erlangen, 31. Juli 2008 – Vor zehn Jahren, am 1. August 1998, wurde die Rechtschreibreform an allen deutschen Schulen eingeführt. Einer jüngst veröffentlichten Untersuchung zufolge hat seither die Schreibfehlerquote in Schülerarbeiten drastisch zugenommen. Daher fordert die reformkritische DEUTSCHE SPRACHWELT, die Reparaturarbeiten an der Rechtschreibreform wiederaufzunehmen. Außerdem empfiehlt die Sprachzeitung, in so vielen Bereichen wie möglich bei der traditionellen Rechtschreibung zu bleiben oder zu ihr zurückzukehren. Weiterlesen

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! und ? in Azeroth

Ausrufe- und Fragezeichen werden ja nicht nur als Satzendzeichen verwendet – häufig findet man sie auch eingeklammert hinter einzelnen Wörtern mitten im Satz. So drücken sie Emphase bzw. Zweifel aus.

(1) Es hat mich dreihundertdreißig(!) Euro gekostet!

(2) Dreihundertdreißig(?) Euro hat auch nicht jeder auf der hohen Kante.

Auch hier kann man Unterschiede in der Verwendung bei der Zeichenanzahl feststellen. Während das (?) in (2) eher ein bloßes Nachfragen zu sein scheint, etwa, wenn man meint, den Betrag nicht richtig verstanden zu haben, ist das (???) im folgenden Satz wesentlich dramatischer:

(3) Dreihundertdreißig(???) Euro hat auch nicht jeder auf der hohen Kante. Weiterlesen

Unterschichtennörgel

Im Wiesbadener Tagblatt fand sich kürzlich ein Beitrag eines gewissen Günter Schaefer, der einige faszinierende Thesen zu bieten hatte. Natürlich ohne jedes Argument, wäre ja noch schöner! Was man nicht argumentativ unterfüttern kann, kann man aber freilich zumindest mit elaborierter Rhetorik und kreativer Thesenfindung unterstützen. Am innovativsten war meines Erachtens Herrn Schaefers Urteil über die Rechtschreibreform. Weiterlesen

The Blind Watch

Blinde Uhren reichen nicht!

Blinde Uhren reichen nicht!

Gottesbeweise sind eine alte abendländische Tradition, die dem Wunsch der Natürlichen Theologie, den Glauben an Gott rational vertreten zu können, entsprungen sind. Die ernsthafteren Versuche sind entsprechend elaboriert, etwa das Kalam Cosmological Argument oder Richard Swinburnes Versuch, Gott über den Umweg eines modallogischen Beweises der Existenz der Seele (wieder) ins Spiel zu bringen. Dem Buchtitel zufolge hat kürzlich auch „der deutsche Philosoph von Weltrang“, Robert Spaemann, einen gottesbeweislichen Beitrag geleistet. Und zwar mithilfe der Linguistik. Weiterlesen

Asterisk und Erika

©Ehapa

©Ehapa

Die Dame rechts ist Dr. Erika Fuchs (1906-2005), geniale und stilprägende deutsche Übersetzerin zahlreicher Entenhausen-Comics. Stilprägend vor allem auch durch ihre deutschen Versionen der englischen Soundwords und das Verwenden von Lautmalereien für lautlose Geräusche (Grübel!) – letzteres findet sich heuer zwischen Asterisken geschrieben vielfach in Chaträumen und SMS (*grübel*).

Im aktuellen Die Tollsten Geschichten von Donald Duck Sonderheft (TGDDSH) beschäftigt sich nun Wolfgang J. Fuchs in seinen regelmäßig erscheinenden Entenhausener Geschichten mit eben diesen sprachlichen Phänomenen. Fuchs analysiert sie als Onomatopäien, also Lautmalerein. Dazu gehören auch die Booms und Wooshs, die sich ebenfalls häufig eingedeutscht finden. Weiterlesen