„Man darf das mit dem Richtig und Falsch nicht so dogmatisch sehen“

Sagt Professor Rudi Keller in der Sueddeutschen. In dem Interview geht es unter anderem um Anglizismen und deren Verwendung. Genau genommen, meine ich, müsste man überlegen, ob „richtig“ und „falsch“ in Bezug auf die Sprechpraxis der Sprecher überhaupt sinnvolle Kategorien sind. Wenn je nach sprachlichem Kontext etwas anderes „richtig“ ist, dann scheint es mir sinnvoller, den Begriff zu ersetzen – denn „richtig“ und „falsch“ sind recht eindeutig besetzt. Schule sei Dank.

Aber eigentlich will ich nur auf den lesenswerten Artikel verweisen. (Man beachte auch die Kommentare, die teilweise mit Schaum vor dem Mund vorgetragen werden…)

sueddeutsche.de: Wie sind Sie darauf gekommen, eine Arbeit über den Sprachverfall beziehungsweise über den Sprachwandel zu schreiben?

Rudi Keller: Seit 2000 Jahren ist literarisch belegt, dass Menschen sich über den Sprachverfall Gedanken machen. Und doch hat noch kein Mensch jemals eine verfallene Sprache vorführen können – so etwas scheint es nicht zu geben. Ich habe bereits vor 15 Jahren ein Buch geschrieben zum Thema „Sprachwandel“. Nebenbei habe ich mich mit dem Thema des sogenannten Sprachverfalls befasst. Meine generelle These ist, dass das, was Menschen aus ihrem begrenzten Blickfeld heraus als Sprachverfall wahrnehmen, im Wesentlichen nichts anderes ist als der ganz normale Sprachwandel. Und wenn man Beispiele für fehlerhaftes Deutsch in einem größerem Rahmen sieht, dann stellt man fest: Es ist nichts verfallen, es hat sich nur verändert – und mit der Zeit fällt es niemandem mehr auf.

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2 Antworten

  1. Rudis Sprachwandel: Von der unsichtbaren Hand der Sprache ist eine zwar schon etwas ältere, aber absolut empfehlenswerte und spannende Lektüre, insbesondere hinsichtlich des „Phänomens der unsichtbaren Hand“, der Frage, was Sprache überhaupt ist, wofür wir sie benutzen und unter welchen Umständen sie — in Form einer „Conjectural History“ — entstanden sein könnte. Hier eine meiner Lieblingsstellen (in der veralteten 1. Auflage Seite 19):

    Die typische Form, den Wandel der Sprache zu wahrzunehmen, scheint darin zu bestehen, ihn als Verfall zu erleben. Ist es nicht merkwürdig, daß unterschiedliche Verfallstheoretiker seit mehr als 2000 Jahren immer wieder den zunehmenden Verfall ihrer jeweiligen Muttersprache beklagen, ohne je ein Beispiel für eine tatsächlich verfallene Sprache vorweisen zu können? Es scheint auch niemanden zu geben, der bereit wäre, den Verfall seiner eigenen individuellen Sprache zu bedauern: „Ach, was schreibe ich für ein verkommenes Deutsch im Vergleich zu meinen Großeltern!“ Sprachverfall ist immer Verfall der Sprache der anderen. Das sollte stutzig machen.

    Genau!
    ^_^J.

  2. […] Hand in die Linguistik, hat der Süddeutschen vor fast einem Jahr ein Interview gegeben. (Gefunden hier.) Es geht, natürlich, um Sprachwandel. Ich finde es eher so lala, vieles wird nur angerissen und […]

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