Es war so schön ruhig geworden um die Nörglerfraktion. Lag vielleicht am nervenaufreibenden Wahlkampf, in dem das Thema Deutsch („ins Grundgesetz!“) natürlich keinerlei Rolle spielte – außer in Empfehlungsschreiben der Deutschen Sprachwelt. Jetzt ist die Wahl vorbei und Spiegel Online scheinen die Inhalte auszugehen. Jeden Tag mindestens einen Artikel lesen zu müssen, in dem steht, dass die Wirtschaftslage entweder besser wird oder schlechter, ist auch auf Dauer eher langweilig.
Aber muss man ausgerechnet den Werbesloganquatsch nochmal ausbuddeln? Natürlich wissen wir, dass Werbeslogans nicht dazu da sind, verstanden zu werden. Das hat man auch bei SPON bemerkt und schreibt deshalb:
Bleibt die Frage, ob die Konsumenten die Slogans überhaupt verstehen müssen, damit sie funktionieren. Denn tatsächlich behaupten Befürworter englischsprachiger Claims, das sei nicht notwendig. „In Einzelfällen funktioniert das, etwa, wenn bewusst Bedeutungsvagheiten konstruiert werden oder der Markenname im Slogan vorkommt“, sagt auch Samland.
Und in allen anderen Fällen funktioniert es nicht? Das sollte man mal Coca-Cola erklären, die mit ihrer international erfolgreichen Fanta-Werbung wohl völlig daneben lagen. Ohne es zu merken!
Den zweiten Einwand, den „Befürworter“ englischsprachiger Claims häufig äußern, ignoriert der Artikel aber: sollten wir die Frage, ob ein Werbeslogan funktioniert oder nicht, nicht besser den Werbemenschen und noch besser, den Auftraggebern überlassen? Glaubt jemand ernsthaft, ein Konzern wie Coca-Cola würde Millionen in eine Werbekampagne investieren, die offensichtlich nicht funktioniert? Evolutionary Thinking ist hier angebracht, wie in vielen Bereichen der Sprachnörgelei: Wenn ausländischsprachige Claims aufgrund ihrer Ausländischkeit keinen Effekt hätten, würden sie nicht mehr verwendet werden.
Das zu leugnen, bedeutet, sowohl den Werbeagenturen als auch den Auftraggebern Dummheit zu attestieren, und zwar Dummheit, die zig Millionen Euro kostet. Wie manche der erfolgreichsten Werber und Hersteller sich so etwas leisten können, bleibt schleierhaft. Es ist wie wenn der Zoologe sich den gefährlich bunten, ziemlich unbeweglichen Pfau anschauen und zum Schluss kommen würde, die Evolution müsse wohl einen an der Klatsche haben.
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Meines Wissens nach hat die Evolution weder Bewusstsein noch Verstand, welchselbige einen an der Klatsche haben könnten. Insofern finde ich die Analogie mit den Werbefuzzis durchaus treffend.
Good catch!
Hoffentlich lande ich nie in der Werbebranche. Die hat einen schlechteren Ruf als Politiker- und Lehrertum zusammen.