Punctuated Equilibria

Der folgende Beitrag war schon vor einiger Zeit auf dem Brightsblog zu lesen. Ich hole ihn aus logistischen Gründen auch hierher. Aktuell ist das Thema wohl mindestens noch die nächsten Dekaden…

Sind Lücken ein Argument für Gott? Aus Sicht diverser Intelligent-Design-Vertreter durchaus. Deswegen stürzen sie sich mit großer Begeisterung auf jede Lücke, die Wissenschaftler in der Evolution der Arten oder, wie seit einiger Zeit beliebt, in der Sprachevolution vermeintlich auftun. Das könnte man als einfaches Non Sequitur abtun und ignorieren, ein genauerer Blick lohnt sich aber durchaus.

In diversen ID-affinen Blogs wird seit kurzem eine Studie aus der Science diskutiert, die empirische Belege für ein Sprachwandelmodell gefunden haben will, das auf dem evolutionsbiologischen Ansatz des sogenannten Punctuated Equilibrium fußt. Punctuated Equilibrium beschreibt die Entstehung neuer Spezies durch einen abwechselnd sehr schnellen („punctuated“) und sehr langsamen oder normalen („equilibrium“) Entwicklungsprozeß innerhalb eines Stamms. Auf diese Weise kann aus einer über einen längeren Zeitraum relativ stabilen Spezies innerhalb kurzer Zeit eine neue Spezies entstehen.

Dieses Modell wurde von Dixon (1997) auf die linguistische Disziplin der Sprachwandelforschung übertragen. Letztere beschäftigt sich u.a. mit der Entstehung neuer Sprachen, was schematisch meist am Stammbaummodell dargestellt wird, das seinerseits ebenfalls auf dem entsprechenden evolutionsbiologischen Modell basiert. Mithilfe dieses Werkzeuges lassen sich sowohl Entwicklungsschritte als auch Verwandtchaftsverhältnisse innerhalb einer Sprachfamilie veranschaulichen. Problematisch dabei ist, daß es nur über die zeitliche Achse Aussagen erlaubt, nicht jedoch über die räumliche Achse, also über den für den Sprachwandel enorm wichtigen Sprachkontakt. Weiterlesen

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