ßnörgelei

Auf dem Bremer Sprachblog diskutiert David Konietzko mein Lieblingsthema: ß vs ss, nach alter wie neuer Schreibung. Er widerlegt in seinem Beitrag die Behauptung, die alte Regelung sei unlogisch gewesen, indem er auf Funktionen des ß hinweist:

1. Um stimmloses s [z] von stimmhaftem s [s] in Fällen, in denen dies bedeutungsunterscheidend ist, schriftsprachlich unterscheidbar zu machen, wird ß verwendet.

2. ss wird in Silbengelenkposition benutzt – etwa in has-sen, so dass der Laut [z] sowohl Coda der ersten und Onset der zweiten Silbe bildet. Fällt die Silbengelenkfunktion weg, schreibt man statt ss ß.

3. dass/daß ist ein Sonderfall – das ß “hebt sich besser ab” vom s als das ss.

Das leuchtet ein, und ein Gegenbeispiel will mir auch nicht einfallen. Trotzdem bin ich kein Fan dieser Argumentation. Die Diskussion, die ich zu dem Thema mehr als einmal geführt habe, entzündete sich immer an einem ganz anderen Punkt: Nämlich nicht daran, dass die alte Regelung unlogisch sei, sondern daran, dass die alte Regelung als unlogisch empfunden wurde. Ich fürchte, bei den meisten Diskutanten würde auch dieser Teil von David Konietzkos Darstellung nicht zu nennenswerter Erhellung der zugrundeliegenden Systematik beitragen. (mehr…)

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